Museumskonzert, Alte Oper Frankfurt, November 2008

Taumelnd, versonnen
Orffs "Carmina Burana" im Museumskonzert

Die Chöre Frankfurts können sich freuen: Sebastian Weigle, der neue musikalische Leiter der Oper und der Museumskonzerte, vermag Chormassen nicht nur zu präzisestem, sondern auch zu artikuliertestem Ausdruck zu bringen. Fast 300 Choristen waren beim dritten Museumskonzert im Großen Saal der Alten Oper versammelt, um Carl Orffs "Carmina Burana", 1937 hier uraufgeführt, zu präsentieren. Es war ein überwältigender Eindruck vom ersten Total-Einsatz an: kein Zaudern, kein blockhaftes Klumpen, alle Stimmen wie selbstdynamisiert, was bei den kleineren Ensembles, den agitatorischen Einwürfen und hymnischen Staccati zu unerwarteter Differenzierung führte.

Die Vaganten- und Liebes-Manifeste der mittelalterlichen Vorlage, von Orff neo-klassizistisch gehärtet und heroisiert, gerieten zu echter Gemütsmassage, die weit über bloßes Skandieren und Stampfen hinausging. Im Gegenteil, die Musik fing für Weigle eigentlich erst auf dieser Grundlage an: mit ihren schwankenden und taumelnden, jagenden, scheuen wie versonnenen Momenten. Das war von einer Geschmeidigkeit und strahlenden Kraft, von vokaler Homogenität und teilweise fast musicalhaftem Schwung, von sonorer Gewalt und sopranischem Gleißen, dass allein schon die sich darin artikulierende artistische Virtuosität fesselte. (…)

Bernhard Uske
Frankfurter Rundschau 18.11.2008

Boris Godunow – Wiener Staatsoper, Dezember 2007

(…) Sebastian Weigle leistete am Pult des bestens aufgelegten Orchesters Ausserordentliches, indem er einen sehr schroffen Zugang waehlte, der an jeder Stelle organisch wirkte, und diesen konsequent bis zum Ende durchhielt. Dass die grossen Chorszenen ohne Fehl und Tadel im Einklang mit dem Orchester bestritten wurden, ist ein weiterer Beleg fuer das Koennen dieses Ausnahmedirigenten; dem man getrost noch viele Abende an der Wiener Staatsoper wuenschen darf.

Dorian Dreher für Der neue Merker 01/2008

(…) Das Staatsopernorchester spielte unter SEBASTIAN WEIGLE , dem das Mussorgski-Opus erstmals hier anvertraut wurde, mit weit mehr Tonschoenheit, Spannkraft und Differenzierung als unter dem Premierendirigent. DIe elementare Kraft, die wilden Rhythmen in den Volksszenen und die emotionale Wucht, die aus dem Werk herausbricht, blieben dennoch erhalten.
Fuer einen halbleeren Stehplatz und einen mueden Abonnentenapplaus war somit die Auffuehrung eigentlich doch zu gut!

Sieglinde Pfabiga für Der neue Merker 01/2008

(…) Sebastian Weigle zeigte wieder einmal, wie wertvoll er in der Riege der Dirigenten der Staatsoper ist. Das Staatsopernorchester folgt ihm willig und mit dem noetigen Engagement. (…)

Hans Sabaditsch für Der neue Merker 01/2008

Wozzeck – Liceu, DVD-Erscheinung, Oktober 2007

"Many operas, tragic in nature, leave an audience deeply affected, but Wozzeck holds a special place – its ‘man’s inhumanity-to-man’ and ‘society and the system will destroy you’ messages go straight to the heart and leave us feeling dejected. (…) for an almost unbearable, ghastly view of life, madness and uncaring, this present production, from the stage of Barcelona’s Teatre del Liceu, directed by bad-boy Calixto Bieito, will hereafter be the one to beat. (…) It’s amazing that the audience doesn’t go crazy the way Wozzeck does. (…) We must be grateful that Sebastian Weigle, the Liceu’s Music Director, leads a reading of the score that is an antidote to the filth in front of him. (…) The overwhelming interlude before the opera’s last scene is beautifully played (…) there are moments of such tenderness between Marie and her child that humanity does creep through. In addition, Weigle’s cast never overplays the Sprechgesang; there is always ‘gesang’ present with Wozzeck and Marie, so we can continue to feel what softness has been left them. The orchestra’s control of dynamics, from Berg’s pppppp to ƒƒƒƒƒ, can take one’s breath away. .................. the opera is superbly served musically, and you won’t forget it."

Robert Levine

INTERNATIONAL RECORD REVIEW, Dezember 2007
Star-Dirigent Weigle – Taktvoll mit Berliner Schnauze

"Selbst in rauen Bayreuth-Stürmen bleibt Sebastian Weigle berlinerisch gelassen. Nachdem er dieses Jahr sogar Katharina Wagners "Meistersinger”-Inszenierung überstanden hat, ist der Dirigent endgültig auf dem Weg nach oben.

Wenn das Orchester bei Gustav Mahlers 5. Symphonie stürmt und drängt, gibt der Pultstar kühl den Kurs vor. Exakte Stabschläge, präzise Gesten, kein publikumswirksames Geruder, sondern: gelassene Genauigkeit: Sebastian Weigle hat viel von seinem Mentor Daniel Barenboim gelernt. Kein Wunder, dass der gebürtige Berliner inzwischen selbst zu den gefragtesten Dirigenten weltweit gehört.

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg folgt ihm an diesem Tag enthusiastisch ins furiose, bläsersatte Finale der emotionsgeladenen Fünften. Elegante Perfektion, penible Arbeit: Weigle schätzt solides Proben mehr als das Hoffen auf den genialischen Funken. Und er nimmt sich stets Zeit: "Ich möchte kein Dirigent sein, der jeden Tag im Flugzeug sitzt und in einer anderen Stadt auftreten muss", betont er.

Weigle, Jahrgang 1961, ist immer noch ein jugendlicher Kapellmeister. Mit dosierter Berliner Schnauze findet er stets den Ton, der ihn auch schwierige Aufgaben meistern lässt. Wie zum Beispiel sein Debüt in Bayreuth: Gleich die "Meistersinger"-Premiere wurde es, mit der wilden Inszenierung der Festspielchefin in spe, Katharina Wagner.

Natürlich gab es auch Kritik an seinem Dirigat, aber Weigle brachte das Monsterwerk souverän nach Hause, mit frischen Tempi und transparentem Sound. "Als Wolfgang Wagner vor vier, fünf Jahren anrief, da war das für mich wie eine Hollywood-Story", erzählt er. "Jeder Dirigent, der sich für Wagner interessiert, will nach Bayreuth."

Keine Probleme mit Regietheater

Mit der überladenen Inszenierung hatte Sebastian Weigle keine Probleme, die Arbeit erschien ihm wie ein Rausch. "Manchmal wird man auch aus Euphorie ein wenig betriebsblind und muss sich fragen, ob jeder im Publikum noch nachvollziehen kann, was wir uns so alles ausgedacht haben. Und ist es wirklich notwendig, sich etliche Programmheftseiten durchzulesen, damit man die Inszenierung versteht?"

Forsche Bühnenideen liebt der engagierte Operndirigent geradezu. "Ich habe keine Probleme mit Regietheater. Ich habe nur dann ein Problem, wenn das Regiekonzept die Musik in den Hintergrund drängt. Ich möchte mir zum Beispiel von keinem Regisseur die Wiederholung einer Passage diktieren lassen, bloß weil vielleicht die Drehbühne nicht schnell genug dreht", erklärt Weigle.

Gemeinsam mit Regisseur Peter Konwitschny hat Weigle eine "Lohengrin"-Version auf DVD eingespielt: Zusammenarbeit, die auf gegenseitigen Respekt gegründet ist. "Peter Konwitschny kann Partituren lesen! Das können wenige Regisseure. Wir sind auf Augenhöhe." Umso besser, wenn man das passende Orchester hat. Sebastian Weigle leitete seit 2004 das Gran Teatre del Liceu in Barcelona, wo dieser "Lohengrin” unter besten Bedingungen stattfand. "Dort hatte ich ein 'Stagione-Theater', also eine Produktion, die mit den ständig denselben Musikern en suite gespielt wird, je nach Erfolg."

Seine nächste Station ist dann wieder Deutschland: Opernhaus Frankfurt am Main, ab der Saison 2008/2009. Ein landesübliches Repertoiretheater, wechselnde Produktionen, wechselnde Musiker, wechselnde Interpreten. Aber das schreckt einen Profi nicht: Weigle ist eh einer, dessen Herz für den Auftritt, weniger fürs Aufnahmestudio schlägt: "Ich bin ein wahnsinniger Fan von Live-Musik - jeden Abend eine Geschichte neu erzählen, das ist das wirklich Spannende am Musizieren.” Eine Spannung, die auch das Publikum goutiert: Seit seiner Arbeit als Erster Staatskapellmeister an der Berliner Staatsoper (1997 bis 2002) ging's mit der Karriere bestens voran.

Jugendpflege in Brandenburg

Seine Laufbahn begann Weigle an der Hochschule "Hanns Eisler” in Berlin, lernte Horn, Klavier, Dirigieren und gründete gleich 1987 den Berliner Kammerchor, startete dann als künstlerischer Leiter des Neuen Berliner Kammerorchesters durch. Damit gelang ihm, was den meisten Nachwuchsdirigenten verwehrt bleibt: ins Geschäft zu kommen. Denn Talente gibt es viele, Jobs zu wenige. "Es ist unglaublich, wie viele arbeitslose junge Dirigenten es gibt. Und es sind sehr begabte darunter."

Um die Überalterung des Klassikpublikums macht sich Weigle keine Sorgen, denn er trägt sein Scherflein zur Jugendarbeit bei. Wie es sich für einen arrivierten Künstler gehört, pflegt er den Nachwuchs. In Brandenburg leitet Sebastian Weigle seit 1993 ein Orchester. "Wir haben uns jetzt einen neuen Namen gegeben, wir heißen Junge Philharmonie Brandenburg, und das Projekt ist sehr erfolgreich und angesehen."

Musik ist aber nicht alles in Weigles Leben, Genussfähigkeit sorgt für mentale Bodenhaftung. "Ich höre auch sehr gern mal keine Musik, sehe Filme auf DVDs und trinke dazu ein Glas Rotwein", beschreibt er seine sehr normalen Entspannungstechniken. Gutem Essen, das er sehr liebt ("Von bodenständig bis molekular!"), könnte er sich auch aus professionellem Blickwinkel nähern: "Vielleicht wäre ich ein guter Restaurantkritiker! Ich könnte mit sogar vorstellen, irgendwann selbst mal ein Restaurant zu haben - vielleicht eines für Musiker und Literaten.""

Werner Theurich

Spiegel Online, 15.01.08
Boris Godunow – Wiener Staatsoper, Dezember 2007

"(…) Die wichtigste Neuerung spielte sich im Orchestergraben ab: Sebastian Weigle stand erstmals bei Boris am Pult und bestach durch ein angenehm subtiles Dirigat. Weigle hat hörbar Sinn für die Zwischentöne dieser Partitur. Und er nimmt Impulse von der Bühne auf, wie der berückende Dialog des Orchesters mit Holl bei dessen zweitem Auftritt deutlich machte. (…)"

Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2007

"(…) Sechs Aufführungen nach der Premiere ist Wien um eine Variante reicher: Gattis Mixtur, weiterhin ohne ablenkende Lieder, verabschiedet sich mittlerweile von Gatti selbst. Statt seiner stand Sebastian Weigle (aktuell für sein "Tiefland"-Dirigat vielbeachtet) am Pult.

Mussorgski übersetzt Puschkins Worte manchmal karg und fast prüde. In diesem Ambiente wäre die eintönig dunkle Inszenierung von Yannis Kokkos ohne den Berliner Kapellmeister ein Sturz in die Tiefen der Langeweile gewesen. So aber konnte man sich auf effektvolle Phrasierungen zur rechten Zeit konzentrieren. (…)"

Daniel Wagner

Wiener Zeitung, 07.12.07
Die Meistersinger von Nürnberg - Bayreuther Festspiele, Juli 2007

"(…) Großartig die Orchesterführung von Sebastian Weigle: Der international erfolgreiche Dirigent (designierter Chef der Frankfurter Oper) lieferte einen ebenso frisch brausenden wie fein durchstrukturierten Sound, der die bekannten Tücken des Bayreuther Hauses souverän meisterte. Manchmal etwas laut, aber von beeindruckender Transparenz und Genauigkeit (…)"

Spiegel Online, 26.07.07
Runder, voller und etwas dunkler
Sebastian Weigle über Katharina Wagners Regie und sein Dirigat der "Meistersinger" in Bayreuth

FRAGE: Ihr Einstand in Bayreuth ist mit einem Déjà-vu verbunden: Schon 1997, mit 36 Jahren, begleiteten Sie auf dem Grünen Hügel als Assistent von Daniel Barenboim Proben zu den "Meistersingern"…
ANTWORT: . . . und lernte Katharina Wagner kennen. Und als "Die Meistersinger" danach an der Berliner Staatsoper unter Barenboim Premiere hatten, habe ich fast alle Proben dirigiert, weil der Meister keine Zeit hatte. Dann habe ich sie auch in Mannheim und Wien dirigiert und in Berlin ständig im Repertoire.
FRAGE: Wie geht Frau Wagner die Sache an?
ANTWORT: Sie kennt den Text, weiß ganz genau, wo was herkommt. Es wird vieles ausprobiert, es wird auch einige Dinge geben, die vielleicht ungewöhnlich sind. Ihren Budapester "Lohengrin", den ich auf Video gesehen habe, fand ich im Ganzen sehr gelungen. Sicherlich, sie wird auch kritisch mit den "Meistersingern" umgehen. Sie sagt immer: "Ich mache dir alles, wie du es musikalisch brauchst." Und ich bin kein Mensch, der grundsätzlich ablehnt. Wenn sich ein Sänger wirklich unwohl fühlt, dann ist Katharina sicher die Letzte, die sagen würde, es muss so bleiben.
FRAGE: Viele Regisseure haben die "Meistersinger" politisch aufgezäumt und in Bezug zum Nationalsozialismus gesetzt: Konwitschny, der die Oper abbrechen und in einen Diskurs münden ließ beim Satz "Was deutsch und echt", oder Christof Nel, der die Prügelszene als Pogrom inszenierte.
ANTWORT: Auch Hitlers Lieblingsoper, Eugen d'Alberts "Tiefland", wird ja immer wieder mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Aber was können die Stücke dafür, dass Hitler sie bevorzugte? Wagner lebte lange vor Hitler. Warum kann man nicht einfach mal wieder ein paar Schritte zurückgehen? Eigentlich ist dies ja auch die witzigste Oper von Wagner. Über die "Meistersinger" soll man lachen.
FRAGE: Was machen Sie, wenn ein Regisseur Ideen einbringt, die Ihnen widerstreben?
ANTWORT: Mit Calixto Bieito zum Beispiel habe ich mich wahnsinnig viel gezofft: Warum hier noch mal Kotze? Man muss nicht unbedingt alles auf die Bühne bringen. Ich finde, die Phantasie geht oft verloren. Es reicht doch, wenn man andeutet.
FRAGE: Im Regietheater gibt es immer mehr Eingriffe in die Libretti. Machen Sie das mit?
ANTWORT: Nein, ich hatte das Glück, bei meinen Premieren an Regisseure zu geraten, die das nicht nötig hatten.
FRAGE: Selbst ein nicht mehr junger Regisseur wie Hans Neuenfels hat einen komplett neuen Text für seine "Zauberflöte" geschrieben.
ANTWORT: Mit so jemandem könnte ich nicht arbeiten. "Die Zauberflöte" ist "Die Zauberflöte". Wie ermöglicht man einem Jugendlichen den Zugang zu dieser Oper, wenn er nichts mehr erkennt?
FRAGE: Aber Herr Bieito, über den Sie sich so begeistert äußern, hat da auch keine Hemmungen. Hätten Sie seine Berliner Skandal-"Entführung" an der Komischen Oper dirigiert?
ANTWORT: Ich würde mit Bieito keinen Mozart machen. Aber ich möchte unbedingt wieder mit ihm arbeiten, er ist ein phantastischer Theatermann. Er verlangt dem Sänger das Maximum ab, orientiert sich an den Grenzen der Belastbarkeit und gleitet dabei oft in die Fäkalsprache ab. Es gibt Sänger, die verbitten sich so einen Ton. Da ist er sofort da, entschuldigt sich, umarmt sie und fängt wieder von vorne an.
FRAGE: Warum finden eigentlich Regisseure wie Peter Stein oder Harry Kupfer in Deutschland keinen Anklang mehr?
ANTWORT: So sicher bin ich nicht, ob die zumindest beim Publikum keinen Anklang mehr finden. Aber: Die ziehen sich zurück, haben es wohl auch nicht mehr nötig.
FRAGE: Peter Stein aber wird einfach nicht mehr gefragt, mal abgesehen von seinem "Wallenstein", den er am Berliner Ensemble macht.
ANTWORT: Ist das wahr?
FRAGE: Er sagte kürzlich in einem Interview, er gelte als Auslaufmodell.
ANTWORT: Die Frage ist, wer wen für ein Auslaufmodell hält und wann der Größte plötzlich ein Auslaufmodell ist. Da gehen die Wahrnehmungen von Publikum und Presse etwas auseinander.
FRAGE: Sie werden in der Spielzeit 2007/2008 Generalmusikdirektor an der Frankfurter Oper. Warum bleiben Sie eigentlich nicht am Gran Liceu in Barcelona?
ANTWORT: Ich gehe nicht wegen des Wetters, sondern einfach wegen der anderen Arbeitsweise in Frankfurt. Es gibt immer weniger deutsche Dirigenten an deutschen Häusern, und ich finde, wenn man eine Affinität zur hochromantischen Oper hat wie ich, gehört man nach Deutschland. Vor allem fasziniert mich Intendant Bernd Loebe, die Art und Weise, wie er sein Opernhaus sieht, wie er kommuniziert mit jedem von der Putzfrau und der Kantinenhilfe bis hin zu den Sängern, Regisseuren und Dirigenten. Er sitzt in jeder Vorstellung, wenigstens einen Akt lang, führt, unterstützt, stärkt den Sängern den Rücken. Er hat ein Sängerensemble aufgebaut, und er spricht mit denen auch Klartext. Er sagt: "Du hast dich nicht weiterentwickelt, ich glaube, wir sollten uns trennen." Das gefällt mir.
FRAGE: Von Barcelona schwärmen Sie allerdings auch.
ANTWORT: Oh ja, dank des Stagione-Betriebs. Ich genieße den Luxus, von der ersten Probe bis zur letzten Vorstellung die gleichen Musiker zu haben, können Sie sich das vorstellen? In Deutschland? Das ist doch völlig illusorisch. Da haben Sie mitunter im Repertoirebetrieb in vier Vorstellungen vier verschiedene Besetzungen. Da fängt man in jeder Probe von vorne an. Sie glauben gar nicht, was sich entwickelt, wenn Sie immer dieselben Musiker haben: Sie fahren am Anfang mit einem alten R50 und am Ende einen Mercedes. Allerdings gibt es auch Probleme. Viele Musiker kommen unvorbereitet zu den Proben und denken, sie haben ja noch fünf weitere.
FRAGE: Wie steht es mit dem seit einiger Zeit wieder viel beschworenen deutschen Orchesterklang? Gibt es ihn noch?
ANTWORT: Natürlich, und der heißt sostenuto: jeden Ton in der vollen Länge erstrahlen zu lassen und ihn zu halten. Man kann das beweisen, wenn man italienisch spezialisierte Orchester mal Wagner spielen lässt und auch in der Opulenz der Tongebung bei den Bläsern: runder, voller und etwas dunkler. Das gefällt mir sehr gut. Auch eine große Ruhe, Breite, Tiefe macht ihn aus. Der deutsche Klang muss vor allem auch gepflegt werden, gerade für das große deutsche romantische Repertoire.

Interview Kirsten Liese
Die Bayreuther Premiere der "Meistersinger" findet am 25. Juli statt.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.05.2007, Nr. 21 / Seite 37
Grammy-Nominierung

“(...) Die Aufnahme "Betrachte, meine Seel" mit dem Bass-Bariton Thomas Quasthoff (Dirigent: Sebastian Weigle) erhielt die Nominierung in der Kategorie "Best Classical Vocal Performance". Als zweite Kapell-Aufnahme wurde das Album mit Ausschnitten aus Richard Wagners "Ring" und dem Wagner-Tenor Ben Heppner nominiert; Dirigent dieser Aufnahme ist Peter Schneider. Beide CDs sind bei der Deutschen Grammophon erschienen. (...)

Die endgültige Entscheidung fällt am 11. Februar 2007: Dann werden in der 49. Grammy Award-Verleihung in Los Angeles wieder die begehrten Schallplattenpreise vergeben. (...)”
zdf theaterkanal, 8.12.2006
Tiefland - Oper Frankfurt, Dezember 2006

Auch die Schauspielerei gehört zur hohen Kunst –
Sebastian Weigle am Pult der Frankfurter "Tiefland"-Premiere


Seine helle Stimme und sein Lächeln nehmen auf Anhieb für ihn ein. Und selbst im von Künstlern verwöhnten Fundus, Restaurant im Schauspiel Frankfurt, zieht Sebastian Weigle die Aufmerksamkeit auf sich. Diese Art Ausstrahlung gehört zu seinem Job, muss er doch zumeist ein Heer von Musikern suggestiv auf Ton und Takt einschwören. Und natürlich redet ein guter Dirigent auch immer mit den Händen. Der Generalmusikdirektor (GMD) am Gran Teatre del Liceu in Barcelona wird die Neuinszenierung von Eugen d’Alberts (1864-1932) "Tiefland" dirigieren. Regie führt in diesem Musikdrama Anselm Weber, ebenfalls kein Unbekannter in Frankfurt. Die Rolle der Marta singt Michaela Schuster, als Kundry (Parsifal) schon am Main erfolgreich, ein weiterer Protagonist ist der Heldentenor John Treleaven, in Frankfurt als Brittens Peter Grimes wohlgelitten. Die Premiere beginnt am Sonntag um 18 Uhr im Opernhaus.

D’Alberts Drama um den Hirten Pedro, der unwissend die Geliebte seines Großgrundbesitzers auf dessen Wunsch heiratet, was in einem tödlichen Zweikampf endet, war früher ein Opern-Renner, wird heute freilich nur noch selten gespielt.

Sebastian Weigle kennt die dem Verismo (von vero, wahr) zugehörige Oper noch aus seiner Zeit als Hornist an der Berliner Staatsoper vor 20 Jahren - und hat sich "aus dem Bauch heraus" für das Werk entschieden. Aufgrund von Landschaftsbeschreibungen und Naturstimmungen, die d’Alberts Musik ebenso auszeichne wie ihre spanischen folkloristischen Wendungen bis hin zum Bolero. Liegt doch der Opern-Tatort, "Tiefland", am Rande der Pyrenäen unweit von Barcelona, "eine schroffe, sehr ehrliche Natur", weiß Weigle, ideale Kulisse für einen Tanz auf dem (Gefühls-)Vulkan. Außerdem rieche es in der Partitur nach Wagner, sagt der Spezialist des "Deutschen Repertoires", "Tristan" und "Walküre" seien nahe, aber auch Puccinis "Tosca" und Bizets "Carmen".

An Regisseur Anselm Weber schätzt der Dirigent dessen Werktreue. Ganz ohne Psychologie ginge es zwar auch bei diesem hochdramatischen Konflikt zwischen Ausbeutern und ihren Opfern in dörflicher Gemeinschaft nicht, doch Weber setze auf natürliche, direkt ansprechende Bilder. Zwischen Wunschtraum und heftigem emotionalen Ausbruch sei d’Alberts Drama ein romantisches - in einer heute kitschig wirkenden Sprache. Der entgegenzuwirken, bedürfe es einer starken, realistischen Szene, wobei Weber sogar d’Alberts Regieanweisungen in Partitur und Textbuch genau umsetze - und nicht etwa konterkariere, wie das im heutigen Regietheater üblich ist.

Über dessen Grenzen hat der gebürtige Berliner Weigle klare Vorstellungen: "Wenn ein Regisseur in Text und Musik eingreift, diese etwa noch durch Eigenes ergänzt und das Ganze beim ursprünglichen Operntitel belässt, dann reise ich ab." Regie und Musik müssten von Anbeginn zusammenarbeiten. Deshalb sei er immer bei der ersten Probe schon mit von der Partie - und nicht erst nach drei Wochen. Nur so könne man verhindern, dass Regisseure ihre eigene neurotische Welt auf die Bühne stellten. Bei Anselm Weber, seit 2004 Intendant am Schauspiel Essen, sei dies überhaupt kein Problem. Hatte er doch schon vorab ein dickes Regiebuch geschrieben, in dem jede Szene präzise vorgegeben ist. Da bedarf es dann nur noch der Feinabstimmung - wie etwa der Blickkontakt des Sängers zum Dirigenten.

Mit diesen Prinzipien hat es Weigle weit gebracht, der eine schnelle Auffassungsgabe, ein sehr gutes Gedächtnis und auch das gewisse Schauspielertum als Voraussetzungen für einen Dirigenten hält. Als Hornist im Orchestergraben habe er sie alle studieren können - und besonders Daniel Barenboim geschätzt, der ihn zu seinem Assistenten machte und schon früh auch bei Vorstellungen ans Pult beorderte. Nur wenn der Maestro "Elektra" (Richard Strauss) dirigierte, befahl er Weigle zum Hornsolo ins Orchester zurück.

Das Hornspiel mit seinem dauerhaften Transponieren erleichtert zudem den Blick aufs Ganze, auf die Partitur. Die liest Weigle am liebsten entspannt im Sessel bei einem Glas Wein, lernt die Gesangsstimmen und gewichtet danach den Orchesterklang.

Apropos Wein, hier liebt der Chefdirigent den spanischen Roten aus Rioja oder Navarra, schätzt an Katalonien zudem die Kultur der Tapas, jener frischen kleinen schmackhaften Gerichte. Und natürlich Barcelona und dessen Gran Teatre del Liceu, an dem er fünf bis sechs Monate im Jahr wirkt. "Das schönste Opernhaus der Welt", schwärmt Weigle, der in Spanien schon zweimal als Dirigent des Jahres ausgezeichnet wurde. Hier werde Stagione (Neuinszenierungen in längeren Serien) gespielt, was die Verpflichtung vieler Weltstars wie Koproduktionen ermögliche. Allein 14 verschiedene Abonnements sorgten dafür, dass die 2 200 Sitzplätze allabendlich besetzt seien. Und für einen Dirigenten optimal: Von der ersten Probe bis zur letzten Vorstellung arbeite man mit den selben Orchestermusikern.

Das gelänge bestenfalls an der Frankfurter Oper, an die Weigle ebenfalls nur gute Erinnerungen hat. Mit "Frau ohne Schatten" (Richard Strauss) wurde er 2003 von Kritikern zum "Dirigenten des Jahres" gewählt. Und 2008 tritt er in Frankfurt als GMD an. Viele Hornquinten werde es dann geben, aber auch kleine Sekunden, große Septimen und süße Terzen. Kurzum die gute Mischung aus traditionellem Repertoire, modernen Auftragswerken und spannenden "Ausgrabungen", wie sie das Markenzeichen von Intendant Bernd Loebe ist.

Doch zuvor bringt er im August nächsten Jahres in Bayreuth mit Wagner-Urenkelin Katharina als Regisseurin die "Meistersinger" heraus, die Weigle bereits in Mannheim, Wien und Berlin dirigierte. "Natürlich ist es eine Ehre, für Bayreuth verpflichtet zu werden. Auf der anderen Seite ist das ein ganz normales Opernhaus für den Sommer", wiegelt der Maestro ab. Von der sicher schon fertigen Regie-Konzeption verrät er indes nichts. Vielleicht fallen ja die "Meistersinger" im betulichen Bayreuth tatsächlich mal in einen Jungbrunnen …

KLAUS ACKERMANN

Offenbacher Post, 12.06
Die Zauberflöte - Semperoper Dresden, Mai 2006

"Anders kann man das machen, aber schöner nicht"

(...) Ich habe keine Lieblingsoper. Ich bin glücklicherweise so weit, dass ich mir die Opern aussuchen kann, die ich dirigieren möchte. "Die Zauberflöte" gehört freilich zu meinen Favoriten, und sie wird mir nie langweilig werden, auch wenn ich sie zum tausendsten Male dirigiere. Ich freue mich auf jeden Abend. (...)

Dresdner Neueste Nachrichten, 31.05.2006
Fidelio - Staatsoper Wien, Februar 2006

Dirigent Sebastian Weigle debütiert an der Staatsoper mit einem erfrischenden "Fidelio".

Des einen Pech, des anderen Glück: Durch Seiji Ozawas Erkrankung kam Sebastian Weigle, derzeit Chefdirigent des Gran Teatre del Liceu in Barcelona, ab 2008/2009 Generalmusikdirektor an der Oper Frankfurt, zu seinem Staatsopern-Debüt - und begeisterte mit einer erfrischenden, klaren, aber auch sehr leidenschaftlichen Lesart des "Fidelio".

Weigle beherrscht sein Handwerk, das ist schon nach der Ouvertüre klar: Stringent, farb- und gefühlsreich gerät sie, den Philharmonikern macht es hörbar Freude, so zu spielen - sie beeindrucken mit subtilem Orchesterklang. Und trotz aller Transparenz wirkt das Werk wie aus einem Guss, Weigle sorgt für ein gekonntes Wechselspiel zwischen orchestraler Prachtentfaltung und kammermusikalischer Transparenz.(...)”
Die Presse, 10.02.2006
Wozzeck - Liceu Barcelona, Januar 2006

Proletarier-Passion
Heute in Barcelona, bald in Hannover: Calxito Bieitos "Wozzeck"

(...) Und doch ist Alban Bergs 'Wozzeck' am Gran Teatre del Liceu von
Barcelona, mit dem der Extremmoralist Calixto Bieito seine packende
Größe und Bedeutung zurückgewinnt, gar nicht skandalös, sondern
einfach nur sehr gut. In jeder Beziehung. Das beginnt schon im Graben,
wo der jetzige Liceu-Musikchef und baldige Frankfurter Opern-GMD
Sebastian Weigle sein Orchester zu so schneidenden wie schmelzenden
Klängen anhält.

Es ist viel Strauss in dieser zweiten Wiener Schule. Weigle sucht die Annäherung und die Abgrenzung, läßt die Holzbläser zart kolorieren und die Streicher hart attackieren. Stets hat er die pulsierende, variierende Form dieser 90 Minuten im Griff: fünf mal fünf Szenen, in atemlos komplexer Ordnung, bei gleichzeitig flüssiger Erzählhaltung. (...)”
Die Welt, 07.01.2006
Sebastian Weigle wird ab der Spielzeit 2008/2009 Generalmusikdirektor an der Oper Frankfurt

“(...) Als der Dirigent Sebastian Weigle (gebürtiger Berliner) Anfang 2003 in Frankfurt die Premiere dieser Straussoper leitete, wusste man sofort, dass hier eine außergewöhnliche, zudem ausgereifte Begabung am Werke war. (...) So gehört Weigle, neben Talenten wie Metzmacher oder Welser-Möst, zu einer Generation von Musikern, die ihre Brillanz nicht eigens auszustellen brauchen, weil sie gewissermaßen von ihr imprägniert sind. Das Diffizile, Komplexe, Vieldimensionale ist ihr Lebenselement. Daraus erwächst mit zunehmender Erfahrung der "persönliche" Stil. Deutlich ist bei Weigle auch so etwas wie Universalismus. Anders als Metzmacher und ähnlich wie Welser-Möst begann er seine Karriere nicht im Umkreis der musikalischen Avantgarde, doch spielt die Musik des 20. Jahrhunderts auch in seinem Repertoire keine Nebenrolle. Mit vielfältigen Projekten und Plänen animiert er seine Cheffunktion am Teatro Liceu (seit 2004) in Barcelona: Boris Godunow, Parsifal, Wozzeck, Idomeneo, Die tote Stadt, Lohengrin, La clemenza di Tito. 2007 winken wichtigste Debüts: die Neuinszenierung der Meistersinger bei den Bayreuther Festspielen und Zauberflöte an der New Yorker Met. (...)”
Frankfurter Rundschau, 23.11.2005

“(...) Seit Wochen schon galt der Dirigent Sebastian Weigle als Nachfolger. Der hatte gerade mit Taschaikowskys "Pique Dame" für Furore gesorgt und das Frankfurter Publikum für sich eingenommen. Bereits gestern hatte Intendant Bernd Loebe seinen Personalvorschlag dem Aufsichtsrat vorgelegt. Der gebürtige Berliner übernimmt das Amt in der Spielzeit 2008/2009.

In seiner Arbeit legt Weigle nach eigenen Worten großen Wert auf "Partitur-Treue": "Es geht darum, der Anwalt des Komponisten zu sein." Damit scheint Weigle bei Ensemble und Orchester der Frankfurter Oper gut angekommen zu sein. Die Musiker ließen bei der Vorstellung Weigles keinen Zweifel daran, dass sie ihn bei dieser Aufgabe unterstützen wollen: Sie begrüßten seine Berufung zum Generalmusikdirektor ausdrücklich. (...)”
hr-online, 22.11.2005
Pique Dame - Frankfurter Oper, November 2005

“(...) Das große Verdienst dieser Inszenierung aber ist der Spielraum, den sie der Musik lässt. Diese entfaltet unter dem Dirigat von Sebastian Weigle, Generalmusikdirektor des Gran Teatre des Liceu in Barcelona, Tschaikowskys überbordende Klangfülle und vieldeutiges Melos nuancenreich in sensibler Klangführung. Jeder Absturz in melodische Banalität oder sentimentale Verwischungen wird sicher vermieden, schwere Rhythmen klingen aufgehellt. (...)”
Darmstädter Echo, 10.11.05

“(...) Wesentlich konsequenter ließ sich die Aufführung musikalisch an, die von Sebastian Weigle dramatisch und in einigen Nummern riskant rasant dirigiert wurde. Der Opernchef aus Barcelona setzte auf innige Töne und lange Linien, das Frankfurter Museumsorchester spielte vorzüglich.”
Stuttgarter Zeitung, 08.11.05

“(...) Dirigent Sebastian Weigle befeuerte das Frankfurter Orchester mit sparsamer, aber effektvoller Gestik. Tschaikowskys Musik glühte, perlte, warf Schatten und leuchtete die Seelen aus. Nie wurde es kitschig oder gar hohl, was bei russischen Opern nicht selten der Fall ist. Weigle, ein Schüler von Daniel Barenboim, gehört ohne Zweifel zu den hoffnungsvollen Stars unter den Dirigenten der jüngeren Generation. Von ihm ist noch viel zu erwarten. (...)”
B2 - Kulturwelt, 07.11.05

“(...) Sebastian Weigle führt das Frankfurter Orchester glanzvoll und mit großem Temperament; vermutlich wäre es aber auch kaum möglich, diese Musik Tschaikowskis temperamentlos zu dirigieren.
Der Berliner Weigle sei, so ist von den Oberköchen der zuständigen Gerüchteküchen deutlich zu hören, als Nachfolger für den in drei Jahren ausscheidenden Frankfurter Generalmusikdirektor Paolo Carignani im Gespräch. Sollte das den Tatsachen entsprechen, dürfte seine Leistung bei dieser "Pique Dame" einer Berufung an den Main zumindest nicht im Wege stehen.(...)“
Die Welt, 08.11.05

“(...) Es gab besonders lange Ohren für den Dirigenten Sebastian Weigle, eine namentlich für die Frankfurter GMD-Nachfolge interessante Persönlichkeit. Der junge derzeitige Opernchef des Liceu Barcelona, in Frankfurt bereits bestens eingeführt, gab auch dieser Tschaikowskijoper ein scharf umrissenes Format und ebenso energische dramatische Akzente wie intime Seelen-Tönungen, auch orchestral brennende Chiffren einer aus brillanter Operngestik (an Mozart geschulte Vokalensembles im ersten und letzten Bild) hervorsteigenden Sprachfähigkeit geheimster, verborgener emotionaler Regungen, in Klangschönheit aufgelösten Leidensdrucks und Ausdruckszwangs.”
Frankfurter Rundschau, 08.11.05

“(...) Sebastian Weigle führte das souveräne Frankfurter Museumsorchester und den von Alessandro Zuppardo wie stets gut vorbereiteten Chor (was auch für den Kinderchor von Apostolos Kallos gilt) mit viel Klangsinn für die bisweilen kammermusikalisch feine Partitur Tschaikowskys.”
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.05

“In Frankfurt werden Gastdirigenten mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet, seit GMD Carignani seinen Rückzug für 2008 angekündigt hat. Längst kein Unbekannter mehr im Opernhaus ist Sebastian Weigle, der nun für die Premiere von Tschaikowskys "Pique Dame" verantwortlich zeichnet.
Beim Publikum jedenfalls dürfte er, sollte er überhaupt zu den Kandidaten zählen, gute Chancen haben: Die Begeisterung, die Weigle im Schlussapplaus entgegenschlug, war bestimmt nicht schwächer als nach dem fulminanten Dirigat der "Frau ohne Schatten" 2003. Tschaikowskys Pathos nun bekommt in seinen Händen scharfe Konturen und eine federnde Elastizität, die auch Basis war für eine starke Ensemble-Leistung: Die Premiere geriet zum Sängerfest. (...)
Wiesbadener Kurier, 08.11.05

“(...) Sebastian Weigle bringt zudem eine expressive Härte ein, die per Bassklarinette schaudern lässt. Daneben lockt er bis hin zum finalen Beruhigungschoral das Hymnische im russisch insistierenden Pendelschlag. Das ist alles kein Problem fürs heftig beschäftigte Museumsorchester. Offenbar hat man sich schon aneinander gewöhnt ... (...)”
Offenbach-Post, 08.11.05

“(...) Unter der musikalischen Leitung von Sebastian Weigle stellte das Orchester einen tragenden Pfeiler der Aufführung – immer gelang es den Musikern im Graben, die Stimmung bis zum Äußersten zu treiben.“
News Frankfurt, 08.11.05

Von der barcelonesischen Opernkritik wurde Sebastian Weigle zum besten musikalischen Leiter der Spielzeit 2004/05 gewählt.
Quelle: Ópera actual, 20.10.2005
Konzerte mit den Hamburger Symphonikern - Hamburg, Mai 2004

Unter der Leitung von Sebastian Weigle spielte das Sinfonieorchester hoch professionell seine Trümpfe aus: Igor Strawinskys Ballett "Jeu de Cartes" ("Kartenspiel") in der Interpretation von Weigle war ein Erlebnis. Die bald lyrische, bald herausfordernd rhythmisierte Musik, die zitierten und parodierten Reminiszenzen an Rossini, Debussy, Tschaikowsky und Johann Strauss waren effektvolle Vorlagen des Komponisten für die Musiker - aber vor allem Weigles faszinierendes Ausreizen der musikalischen Möglichkeiten und die ungebrochene Präsenz des Orchesters gaben dem Werk schwungvollen Esprit.
Höhepunkt des Abends war Peter Tschaikowskys 5. Sinfonie in e-Moll. Weigle stattete die Sinfonie mit viel Emotion aus. Er verstärkte Tschaikowskys reichhaltige Lyrik und kreierte eine Interpretation, die den Strom von Empfindungen zu einem (mit)reißenden Strudel dramatischer Ausdruckskraft anschwellen ließ. Weigle trieb die Symphoniker durch die leidenschaftliche Komposition. Aufs Feinste differenzierte Dynamik, elementare Ausbrüche, anstürmende Rhythmen, blühende Melodik ein gewaltiger Schluss. Das Publikum nahm die Energie der Musik auf - sie entlud sich ungebremst in tosenden Beifallsstürmen.
Abendblatt, 10. Mai 2004
Konzerte Philharmonie Südwestfalen/ Philharmonisches Orchester Hagen, April 2003

“Weigle ist ein sehr sorgfältiger Dirigent, der auf jede Effekthascherei verzichtet und dem erstaunliche Feinzeichnungen gelingen. ... Weigle präsentierte schimmernden Posaunenglanz, federnde Holzbläser und flexible Streicher: ein Wagner, bei dem die Märsche schnurrten, statt zu brüllen.”
Westfalen-Post
Frau ohne Schatten - Frankfurter Oper, Februar 2003

“Was der junge Dirigent hier leistet ist fulminant.”
“Er weiß das Doppelsphärische der Partitur im Gestus klar voneinander zu scheiden. Dieses nämlich bedeutet: Wenn der “hohe” Stil gefragt ist, dann senken Weigle und die Seinen - bildlich gesprochen - Ihre Stimmen, dann zieht sich der ganze elefantöse Apparat mit einem Mal auf feinste kammermusikalische Nuancen zurück, auf ein Tasten und Spinisieren einzelner Instrumente, ein Blühen wie im Verborgenen.”
Der Tagesspiegel

“Das Orchester bewältigte bravourös die gewaltige Partitur und spielte unter der Leitung von Gastdirigent Sebastian Weigle von Beginn an mit einer Intensität, die die Partitur mit all ihrer schillernden Farbenpracht voll zur Geltung brachte. Dem erfahrenen Dirigenten gelang dabei das Kunststück, bei aller orchestralen Prachtentfaltung und enorme Wucht der großen Szenen die ausgewogene Balance zu den Sängern nie zu gefährden. “
Das Opernglas

“Dem Frankfurter Museumsorchester unter der Leitung von Sebastian Weigle gelingt eine hervorragende Verbindung kraftvoller Solopassagen und maßvoller Begleitung. Facettenreich und präzise, selbstbewusst und transparent erscheint der hochkomplexe und anspruchsvolle Stoff.”
Hannover Anzeiger

“Unter der Leitung von Sebastian Weigle hatte sich das Orchester als überaus dynamisch und analytisch präzise erwiesen.”
Main-Echo

“Hervorragend der Beitrag, der im Orchestergraben geleistet wird. Der junge Dirigent Sebastian Weigle nimmt die hochkomplexe Partitur entschieden in den Griff; er hält die Musik in ruhigem Fluss und treibt sie subtil voran und wie er die oft ausufernde Dynamik kontrolliert, zeugt von sicherem Handwerk.
Neue Zürcher Zeitung

“Sebastian Weigle arbeitet als Dirigent die vielen Schönheiten der Partitur, ihre Vielfarbigkeit und instrumentatorischen Feinheiten präzise heraus. “
Stuttgarter Nachrichten

“Sebastian Weigle steuerte das konzentriert aufspielende Frankfurter Opernorchester sicher und mit steter Binnenspannung durch die üppige Partitur, verlieh dem Klang kammermusikalisch-kristalline Klarheit und farbliches Profil, aber auch den nötigen Aplomb in dynamisch aufblühenden Ensembleszenen, ohne dass die Sänger übertönt wurden.”
Frankfurter Neue Presse

“Sebastian Weigle leuchtet das vielstimmige Netzwerk der Leitmotive bezwingend aus, macht die orchestralen Zwischenspiele zu Höhepunkten, setzt die zarte Lyrik aus Solovioline und Cello gegen rauschhafte Orchesterausbrüche. “
Zeitung Mainz

“... führte das Museumsorchester Frankfurt mit Leidenschaft und Elan durch die immens schwierige Partitur, in der nobler kammermusikalischer Stil neben überwältigenden Klangorgien voller Leuchtkraft stehen.”
Gießener Anzeiger

“Sebastian Weigle dirigiert die vertrackte Partitur mit viel Sinn für plakative Effekte und Spannung. Der junge Berliner Gastdirigent weiß die Strauss’sche Mischung aus kammermusikalischer Intimität und großphilharmonischem Klang zu leuchtender Orchesterpracht zu nutzen, ohne die Stimmen zu überdecken.”
Darmstädter Echo
Meistersinger von Nürnberg - Wiener Volksoper, September 2001

Sebastian Weigle am Pult dirigiert sicher und verlässlich: Vom Vorspiel an hat er das Volksopernorchester fest im Griff. Nichts wird verschleppt; er animiert die Musiker zu intensiven Farben
Krone, 12.9.2001

Zu bewundern war schließlich das Dirigat von S.Weigle: Mit Übersicht, Präzision, verblüffender Ökonomie wie auch eruptiver Leidenschaft schuf er einen Fünfeinhalbstünder aus einem Guss, groß, festlich, transparent und sinnlich.
Die Presse, 12.9.2001
Lohengrin, Sydney Opera House, August 2001

Sebastian Weigle’s conducting, comprehensive in its supervision of stage and pit, established the always reassuring coherence of the score and much of its lustrous coloring, His affinity with the principals and with Michael Black’s outstandingly well-trained chorus was consistently audible.
Sydney Morning Herald, 13. August 2001

... Still, with so much thrilling singing, a herculean effort from German conductor Sebastian Weigle ...
The Australian 13. August 2001
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